Mülheim at its best: Das Küchenmobil im Nordquartier

Köln, Mülheim-Nord, ein Tag im Frühling. Ein buntes Gefährt steht auf dem Kirchplatz, Bänke und Tische werden aufgebaut, langsam kommen Menschen vorbei und schauen erstmal, bald schon beginnen die ersten Gespräche, dann wird wild drauf losgekocht und schon ist das Mittagsfest – so könnte man es fast nennen – in vollem Gange.

Das Küchenmobil des Vereins „Wir im Nordquartier“ ist wirklich ein Unikum – hinsichtlich Optik und Wirkung. Warum diese Freiluft-Aktionsreihe überhaupt gestartet wurde, was es mit der Organisation dahinter auf sich hat und was neben dem Essen hier eigentlich im Fokus steht, hat uns die Vereinssprecherin Julia mal eingehender erklärt…

Eine richtig tolle mobile Küche sollte es sein - Aus gutem Grund!

„Unser Küchenmobil übernimmt eine wichtige Rolle bei unseren Aktionen. Nicht nur, weil es schick aussieht, sondern auch wegen des roten Daches, das im Veedel auffällt. Wir sind dadurch sichtbarer als mit einem Aufklapptisch. Zudem ist es uns wichtig vor Ort frisch zu kochen. Die Passant*innen sollen ja sehen, wie einfach mit frischen Lebensmitteln leckere Mahlzeiten gezaubert werden können.“

Essen mit Vorbildcharakter

„Uns ist es wichtig mit unserem Küchenmobil vor Ort die Leute zu inspiriren saisonal, nachhaltig und mit einfachen Mitteln ausgewogen und lecker zu kochen. Es braucht ja wirklich nicht viel dafür. Deshalb wählen wir die Gerichte nach Saison aus und am besten sollen es einfache und erschwingliche Zutaten sein. Wir machen hier keine Haute Cuisine, dafür bodenständige Gerichte, die einfach schmecken und sich jeder leisten kann.“

 

„Näher an den Leuten“ – dank Freiluftmobil

„Die Idee des Küchenmobils und des Vereins entsprang ja aus der Corona- Krise, als alle Sozialstationen dicht gemacht haben im Frühling 2020. Dadurch entfiel die Verpflegung der Kinder in Schulen und Kita, was eine Belastung der Familien zur Folge hatte. Da hatten wir die Idee, draußen vor Ort kostenlos Mahlzeiten auszugeben, um die Familien zu entlasten. Wir haben uns anfangs ein Lastenrad von der Sozialraumkoordination ausgeliehen und haben selbstgemachte Speisen ausgegeben. Später mit einem Sponsor und Caterer. Hier hat sich in der Krise gezeigt, dass mobile Lösungen mehr Leute erreicht, vor allem auch in Krisen. Wir sind einfach flexibler und näher an den Leuten, was uns gefällt. Wir haben keine Tür als Schwelle zwischen uns.“

 

Man kennt sich, man kennt das Mobil.

„Die Leute kannten uns ja schon, bevor wir unser Küchenmobil hatten. Das war ein Vorteil. Wir kochen im Moment ja circa 20 Portionen, was an unserer Ausstattung liegt. Am Anfang hatten wir ab und zu noch was über, jetzt sind manchmal schon nach einer halben Stunde alle Portionen weg. Mittlerweile kennt man das Küchenmobil mit dem roten Dach und wir werden auch häufiger angefragt für unterschiedliche Veranstaltungen im Veedel. Das freut uns natürlich.“

 

Nachbarschaft geht durch den Magen…

„‚Wie geht’s?‘ ist nicht nur eine Frage, sondern eine Einladung zu den vielfältigen Begegnungen und Geschichten, die unser Viertel ausmachen. Es ist der Beginn von kurzen Gesprächen über den Alltag und tiefgründigen Diskussionen über die Herausforderungen des Lebens. Wir sind nicht nur Zuhörer, sondern auch Vermittler und Köche, die gemeinsame Mahlzeiten und Erinnerungen teilen. In dieser Frage liegt die Anerkennung und Wertschätzung für den anderen: „Ich sehe dich.“ Die einen erzählen über ihre Arbeit, die anderen über ihren Einkauf auf dem Markt und sind neugierig, wie wir was kochen. Bei anderen sind wir widerrum Vermittler*innen und manchmal auch Informationsstelle, wenn Nachbar*innen schon länger nicht mehr gesehen wurden.“

Das Konzept: "Quartiersentwicklung von unten"

„Wir wohnen ja selbst im Veedel und setzen uns für ein lebenswertes Mülheim-Nord ein. Heißt: Wir bringen unsere Ideen und Gedanken ein und warten nicht darauf dass es jemand anderes, also Politik oder andere Institutionen für uns machen. Da wir selbst hier wohnen, haben wir den Blick der Bewohner*innen und wissen, wo der Schuh drückt. Das sind wertvolle Eindrücke, die Institutionen oft nicht haben. Ein paar Leute aus unserem Verein sind schon sehr lange ehrenamtlich aktiv in Mülheim, weshalb wir im Verein ganz gut wissen, wie wir uns organisieren müssen.“

Immer im Blick: Der unkommerzielle, persönliche Austausch

„Unsere Aktion jeden zweiten Freitag am Spielplatz in der Rixdorfer Straße 52 ist ein Spiel- und Bewegungsangebot für Kinder, als auch ein Ort für Eltern um sich auszutauschen. Das machen wir gemeinsam mit EQual Sports. Ziel ist es, den sanierten Spielplatz mehr zu beleben, für die Kinder spaßige Spiele anzubieten und für die Eltern einen Raum um neue Kontakte zu knüpfen, zu netzwerken und eine gute Zeit zu haben. Leider wird die Allwetterhalle, ein überdachter Outdoorspielplatz gerade von der Stadt saniert. Das ist ansich gut, aber für unsere Aktion sehr ungünstig, da viele wegen der Halle gekommen sind, wir vor Regen geschützt waren und die Infrastruktur von Innen, also Strom und Wasser, nutzen konnten. Da sollte die Sanierung schnellstmöglich fertiggestellt sein.“

To be continued…

„Kurzfristig ist es unser Ziel, mit unserem Küchenmobil Orte in der Nachbarschaft zu schaffen, an dem sich viele unterschiedliche Leute begegenen, austauschen und wohl fühlen. Das machen wir durch den Akt des Kochens und des lockeren Austauschs. Wie wir wissen fehlen uns Orte, die nicht kommerziell und exklusiv sind. Langfristig suchen wir einen Raum, den wir sozusagen als Stützpunkt verwenden können, um unser Geschirr zu spülen, Material zu lagern und einen Kühlschrank unterzubringen. Das wäre toll und würde uns einiges erleichtern.“

Mit dem Netzwerk steht und fällt das Ganze…

„In Köln Mülheim-Nord ist man schon relativ gut vernetzt durch die Sozialraumkoordination und die aktive Bürgergesellschaft. Wir arbeiten je nach Aktion und Projekt mit sehr unterschiedlichen Organisationen zusammen. Für die Kochaktionen arbeiten wir eng mit der Katholische Pfarrgemeinde St. Clemens und Mauritius, mit dem Don-Bosco-Club und der Tafel zusammen. Auch mit dem Familiengrundschulzentrum Langemaß arbeiten wir gerade intensiv zusammen für ein Familienkochprojekt, was hoffentlich genehmigt wird. Außerdem sind wir gut vernetzt mit weiteren Aktiven im Veedel wie die Leihbar, Kulturbunker, Interkultur und Weiteren. Es kommen auch Interessierte auf uns zu, die mit uns gemeinsam was machen wollen. Daraus entstand zum Beispiel ein Flohmarkt mit einer Kuratorin zusammen, der mehrmalig dieses Jahr stattfinden wird. Wir sind auch mit Immobilienunternehmen wie die Art Invest Real-Estate oder der GAG Immobilien AG vernetzt. Darüber hinaus sind wir auch über Mülheim- Nord hinaus vernetzt wie zum Beispiel mit Klug e.V., die ja auch ein Küchenmobil haben. Letztes Jahr kochten wir gemeinsam auf dem Marktplatz.“

 

Der eigene Einsatz: Flexibel gestaltbar 

„Wir sind ja bisher ein sehr kleiner Verein, wünschen uns aber, dass wir wachsen und noch mehr werden. Aufgrund unserer Größe sind unsere Kapazitäten schon sehr aufgebraucht, vor allem da ein Großteil hauptberuflich auch noch arbeitet. Ich denke mit unserem Küchenmobil und unserer langjährigen Erfahrung und Vernetzung im Veedel sind wir schon gut aufgestellt, was auch hervorragend genutzt werden kann für neue Ideen. Es gibt so viel ungenutztes Potenzial! Von daher kann man uns einfach anschreiben auf Instagram oder ne Mail schreiben an mail@wir-im- nordquartier.de Sei es eine Idee für eine Aktion, eine Kooperation oder einfach eine Kochaktion am Küchenmobil. Da sind wir ganz flexibel, unverbindlich und je nach Gusto eben.“

Was für eine wundervolle Aktion – und hiermit unter unseren Top drei Mittagstischen in Köln! (…freitags im BiogourmetClub – wenn auch etwas höherpreisig – und Mo-Fr. im günstigeren BüZE sind auch ganz fantastisch!)

Ein junger Verein, der ganz aus der Mitte, ganz organisch wächst – das merkt man sofort. Und doch ist hier schon ein Netzwerk aus Kooperationspartner*innen und Unterstützer*innen entstanden, auf das offenbar gezählt werden kann. Genau das möchte Walby unterstützen und lädt euch daher ein, viele interessante Organisationen verschiedenster Couleur bei uns zu finden. Vernetzt euch, beflügelt euch gegenseitig – gemeinsame sind wir mehr als die Summe unserer Teile. Stronger Together.

Viel Freude bei allem was ihr tut!

Eure Julia für Team Walby

 

Und hier geht’s in die App:


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